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Cybercrime: BSI-Präsident in Wortlautinterview mit „DEUTSCHE POLIZEI“

Schönbohm: Wir sind handlungsfähig und können auch zurückschlagen

Foto: Ausriss/Collage DP-Titelgestaltung Mai 2017
Foto: Ausriss/Collage DP-Titelgestaltung Mai 2017
Berlin.

Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, warnt vor dem Austragen staatlicher Konflikte im digitalen Raum. „Das geschieht dann als Agitation, inhaltliche Manipulation von Webseiten, bis hin zu Angriffen auf die Verfügbarkeit von relevanten Webservices oder sogenannten Kritischen Infrastrukturen“, sagte Schönbohm in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Gespräch mit der Zeitschrift „DEUTSCHE POLIZEI“.

Schönbohm: "Es gibt auch Betrugsformen, die mit dem Internet erst ihre Geschäftsgrundlage gefunden haben"

„Die zunehmende Zahl der Cyber-Angriffe auf das Regierungsnetz in Deutschland und die hochwertigen Angriffe, die Advanced Persistent Threats, kurz APT, sind dafür ein Indiz“, betonte der 47-Jährige in dem in der Mai-Ausgabe der Mitgliederzeitschrift der Gewerkschaft der Polizei (GdP) erscheinenden Wortlautinterview.

Das Zerschlagen der jahrelang operierenden Botnetzinfrastruktur „Avalanche“ hat Schönbohm zufolge jedoch deutlich gemacht, dass „wir als staatliche Einrichtungen sehr wohl der internationalen Cyberkriminalität etwas entgegen zu setzen haben. Wir sind handlungsfähig und können auch zurückschlagen.“

Angesichts der massiv voranschreitenden Digitalisierung Kritischer Infrastrukturen wie die Energieversorgung, die Telekommunikation, aber auch die Logistik für Nahrungsmittel hält der BSI-Präsident das im Sommer 2015 in Kraft getretene IT-Sicherheitsgesetz für einen wichtigen Schritt: „Wir können in Abstimmung mit den Betreibern Mindeststandards der IT-Sicherheit setzen, und sie müssen Cyber-Sicherheitsvorfälle an das BSI melden. Daraus können wir ein Gesamtlagebild erstellen und aktuelle Warnungen wiederum an die Betreiber geben.“

Das Internet ist Schönbohm zufolge in vielen Bereichen zum essenziellen Bestandteil, zum Rückgrat von Prozessen auch in der Wirtschaft geworden. „Das bringt ganz viele Vorteile, hat aber auch Schattenseiten“, sagte er.

Die Cyber-Welt sei „nichts anderes als ein Abbild der realen Welt“. Aber es gebe auch Betrugsformen, die mit dem Internet erst ihre Geschäftsgrundlage gefunden hätten, wie etwa der Identitätsdiebstahl. „Als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde arbeiten wir intensiv mit den Internet-Providern zusammen und informieren sie täglich über Schadsoftware, die auf den Rechnern ihrer Kunden beispielsweise zum Diebstahl von Online-Identitäten genutzt wird“, erklärte Schönbohm.